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Im Anschluss an die Pressekonferenz erscheinen zahlreichen Schweizer Zeitungen sowie in verschiedenen Fernseh- und Radiostationen Berichterstattungen zum Inventar der gefährlichen Gletscher der Schweiz sowie zum partizipativen Risikomanagement des Kantons Wallis.

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Wallis inventarisiert gefährliche Gletscher - Risikomanagement statt teure Schutzdämme

Sitten (sda) Im Rahmen des Europäischen Forschungsprojektes Glaciorisk sind im Wallis 51 Gletscher mit Gefahrenpotenzial inventarisiert worden. Im Gebirgskanton befinden sich mehr als zwei Drittel der Eismasse der Schweiz.

Nach heutiger Einschätzung könnten 29 dieser Gletscher in den nächsten 10 bis 20 Jahren Schäden an Siedlungen, Verkehrsverbindungen, touristischen Anlagen oder Kraftwerken im Wallis anrichten, erklärte Charly Wuillod, Chef der kantonalen Dienststelle Naturgefahren, am Dienstag vor den Medien.

Bislang werden lediglich 8 Gletscher regelmässig kontrolliert. Aufgrund des Glaciorisk-Projektes werden nun für die anderen Gletscher Massnahmen vorgeschlagen, die laut Wuillod bereits für das kommende Jahr Eingang ins Programm der Naturgefahrenabwehr des Kantons finden sollen.

Welche Sicherheit zu welchem Preis

Gefahren lauern durch Gletscherveränderungen, die zu gefährlichen Eislawinen oder zum Ausbruch von Gletscherseen führen können, wie Glaziologe Matthias Wegmann von der ETH Zürich erklärte. Klimawandel und schneller Rückzug der Gletscher könnten die Gefährdungssituation rasch verändern.

Angesichts der knappen finanziellen Mittel gehe es nicht mehr nur um die Frage, wie der Mensch sich vor Naturgefahren schütze, sondern welche Sicherheit zu welchem Preis erhältlich sei, sagte Wegmann. Für die 29 als mittelfristig gefährlich beurteilten Gletscher wurde deshalb ein Risikomanagement erarbeitet.

Eine kostengünstige und wirksame Massnahme ist laut dem Glaziologen die Kombination von Überwachung, Alarmierung und Notfallplanung. Die Kosten für bauliche Massnahmen - etwa Schutzdämme - stehen meistens in einem schlechten Verhältnis zur damit erzielten Risikoreduktion.

Ein Todesopfer pro Jahr

Seit 1595 verloren im Wallis bei 11 Gletscherkatastrophen insgesamt 415 Menschen ihr Leben. Dies entspricht im langjährigen Durchschnitt einem Opfer pro Jahr. Bei 40 vom Inventar erfassten Ereignissen wurde eine wichtige Durchgangsstrasse getroffen. In 12 Fällen wurde eine Eisenbahnlinie unterbrochen.

Bei 35 Vorfällen wurde eine oder mehrere permanent bewohnte Siedlung durch ein Gletscherhochwasser oder eine Gletscherlawine erfasst. Bei 72 Ereignissen entstanden Sachschäden an Wasserfassungen, Bergbahnen, Wanderwegen, landwirtschaftlichen Gebäuden und Kulturland.

Mit 52 Milliarden Kubikmeter Eis, die sich auf 680 Gletscher verteilen, besitzt das Wallis mehr als zwei Drittel der Eismasse der Schweiz und einen Drittel der gesamten Eisfläche der Alpenkette. Von den zehn grössten Gletschern der Schweiz liegen sieben im Wallis, darunter der Aletschletscher als längster Alpengletscher.